Belvedere, wörtlich: schöne Aussicht. Es geht im weitesten Sinn um Wahrnehmung. – Seit 2012 arbeiten die drei Künstler gemeinsam an einer Ausstellungsreihe. In temporären raumbezogenen Installationen loten sie die Beziehung zwischen Ausstellungsmöbel, Ausstellungsraum, Kunstwerk und Betrachter aus. Dabei finden vorhandene Arbeiten, Arbeitsweisen und Erfahrungen zu einem Werk zusammen.

Mit der ersten Plattform produzierte das Trio einen distanzierten Blick in eine Ausstellung in Magdeburg. Zugleich konzentrierten sie sich auf den Umgang und die Modifizierung von Ausstellungsmöbeln. Bei dem zweiten Plattform-Projekt ließen die Künstler in Halle an der Saale den Ausblick in Form eines Panoramabildes vom Betrachter erschaffen. Die dritte Aussichtsplattform lenkte den Blick innerhalb eines Künstlerateliers im Kunsthaus Rhenania in Köln. Mittels markierter Ausschnitte und Gucklöcher fokussierten die drei Künstler ausgewählte Punkte im Raum, um so einen Perspektivwechsel zu erreichen.

Bei »Belvedere²«, dem vierten ihrer Ausstellungsreihe, konzentrieren sich Hentschel, Horn und Lass auf die gemeinsame Schaffung einer Raumstruktur. Sie bezieht sich auf die nähere Umgebung des Ausstellungsortes und den Raum selbst. Besonders die architektonischen Ausprägungen des Rheinauhafens dienten als Inspirationsquelle und Strukturvolage. War die Plattform bei den ersten drei Projekten ein erhöhter, zentraler Betrachter-Standpunkt, so wird sie hier aufgelöst. Dafür entstehen unterschiedliche aufgesplitterte Aussichtspunkte. Sie ermöglichen eine umfassendere Wahrnehmung der temporär geschaffenen Rauminstallation. Formen überlagern sich – durch Umrisslinie und Material entsteht eine gewachsene, konstruierte, architektonische Situation. Der Betrachter kann unterschiedliche Perspektiven und Blickrichtungen einnehmen und in seiner Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit Form und Material eigene Standpunkte entdecken. In die Raumstruktur eingewoben finden sich individuelle Arbeiten der drei Künstler, welche die Installation ergänzen.


Anne Karen Hentschel positioniert Figuren linear im Raum und lässt sie zu Platzhaltern für die Raumwahrnehmung der Betrachter werden. Die Schwimmer beziehen sich hier in ihrem Weg auf den Verkehrsfluss der Staße auf der einen und den Strom des Rheins auf der anderen Seite.

Simon Horn konzentriert sich in seiner Arbeit auf Raumskulpturen. Die hier eingebaute Plastik besteht aus einer Grabung und einem Formabguss. Aus diesen festen Körpern wachsen Linien und Flächen zu Gebilden.

Rita Lass arbeitet auch als Buchkünstlerin mit Farbe und Struktur. Hier reagiert sie auf den Blick nach draußen und die gebaute Struktur im Raum. Durch die Arbeit mit Linie und Fläche auf der Fensterfront gewinnt sie für die Installation weitere Ebenen hinzu, die bei der Perspektivwahl des Betrachters auf die gesamte Arbeit die Wahrnehmung bereichern.

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