Einbände sind eine eigene Welt. Sie erheben das Buch zur Skulptur und sind nicht mehr Buch im alltäglichen Sinne. Sie werden zu etwas Besonderem, zu einem Schatz, den man behütet, wenn man ihn besitzt. Der Besitzer kennt den Inhalt, der mit ein Grund zum Kauf ist, neben der Gesamterscheinung des Buches. Der Einband unterscheidet sich vom Künstler- und Malerbuch, welche vom Inhalt her erschlossen werden. Will man sie begreifen, muss man sie in die Hand nehmen und blättern, im Gegensatz zum Einband, der durch seine Präsenz besteht, als Körper im Raum.

Mir ist es wichtig den Inhalt der Bücher zu kennen, die ich einbinde, denn der Inhalt begleitet meine Gedanken während der gesamten Arbeit am Buch. Die neue Hülle ist nicht völlig gelöst vom Inhalt, auch wenn ich nicht illustrativ auf den Text eingehe, sondern Farb- und Formassoziationen in die Gestaltung einbringe und eigene Gedanken hinzufüge.

Das Ergebnis muss nichts Endgültiges sein. In meinem Fall sind es Zwischenergebnisse eines immer weitergehenden Austestens einer Technik im Zusammenklang mit dem Inhalt verschiedener Bücher und der von mir gewollten Ausstrahlung. Was sagen und geben mir die gewählten Inhalte? Welche Assoziationen habe ich, welche Bilder und Farben sehe ich vor mir? Wie kann ich das dem Betrachter vermitteln? Wirken die Materialien in ihrer Farbigkeit und Ausstrahlung am Buch immernoch in der Weise, wie ich es vor meinem inneren Auge vor mir hatte, als die Materialien noch unverarbeitet vor mir lagen? Entsprechen sie meinen Absichten? Bringt es mir die emotionale Befriedigung?
Beim Arbeiten können sich die Ansichten ändern, indem durch Zufall viel passendere Formen entstehen. Wie zum Beispiel in jeder Anfangsphase meines Arbeitsprozesses an einem Einband, in der ich die Buntpapiere für das jeweilige Buch fertige. So wird der Arbeitsprozess auch ein Anstoß zu neuen Herangehensweisen und unerwarteten Ergebnissen. Das Tun ist mir in dem Moment wichtiger, als die entstehende Arbeit. Ich schätze die anregenden Momente, wenn etwas Unerwartetes entsteht, was mich in meinem derzeitigen Schaffen oder zu einem späteren Zeitpunkt bei einer anderen Arbeit weiterbringt.

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